Vorläufiges Ergebnis

Bereits im Februar 2020 wurde das Urteil gesprochen, das im März 2020 rechtskräftig wurde. Wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen zeitweisen Schließung der Gerichte und der Verlagerung jeglichen Interesses auf dieses Thema wurden die weltgeschichtlich eher unbedeutenden Ereignisse um die kriminelle Janette Vehse in den Hintergrund gedrängt.

 

Der Prozesstag würde sicher eine schöne Geschichte für eine Daily Soap abgeben. Rund 7 Jahre, nachdem die Straftaten Stück für Stück an das Tageslicht gekommen waren, trafen die Kontrahenten, Anwälte, Sachverständige und Zeugen und sogar "Prozessbeobachter" im Gerichtsgebäude in Alicante zusammen. Wenige Minuten im Gerichtssaal, den Rest des Vormittags auf dem Flur und der Treppe. Dort "spielte dann auch die Musik". 

 

Die Straftaten waren grundsätzlich erwiesen und wurden weitgehend nicht einmal mehr bestritten. Es ging also hauptsächlich, wie so oft vor Gericht, um die "Prozessökonomie" und darum, die Sache an diesem Tag zu Ende zu bringen, oder noch jahrelang weiterzumachen. Klar und verständlich war, dass eine Verurteilung in allen Punkten eine mehrjährige Freiheitsstrafe nach sich gezogen hätte. Das konnte Janette Vehse so nicht akzeptieren, zumal sie dagegen ja Rechtsmittel gehabt hätte, mit denen der Vollzug bis zum endgültigen Abschluss, vermutlich Jahre später, ausgesetzt wäre. Aus ihrer Sicht hätte eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung auf jeden Fall zu einer Berufung geführt. Im zahlenmäßig größten Bereich der mutmaßlichen Unterschlagung bestand zudem keine absolute Klarheit, ob die Geldbewegungen nicht vielleicht doch von der umfassenden Vollmacht der Geschäftsführerin gedeckt gewesen sein könnten. Die Frage war nicht, ob das Geld rechtswidrig verwendet worden war, sondern, ob das als Straftat oder Schaden zu werten war, der zivilrechtlich aufzuarbeiten wäre. Für uns war die Sache zwar klar, aber "vor Gericht und auf hoher See ..."  

 

Im Bemühen, die Sache "hier und heute" zum Abschluss zu bringen, ging es nun auf dem Flur und der Treppe hoch her. Hier stand Janette Vehse mit Ihren Begleitern, dort Harald Wolff mit seinem Fähnlein. Dazwischen die Anwälte, die immer wieder zu ihren Mandanten gingen oder gemeinsam mit dem Staatsanwalt beratschlagten. Wie absurd die Situation war, mag ein Beispiel zu erklären:

 

Janette Vehse hatte mit dem Geld der Gesellschaft unter sehr obskuren Umständen ein Auto gekauft. Dieses Auto übernahm sie privat und behielt es bei ihrem Ausscheiden. Als diese Unterschlagung aufflog, fälschte sie einen Kaufvertrag und übergab diesen als Beweis an das Gericht. Die Fälschung wurde durch Gutachten und Zeugen eindeutig bewiesen und letztlich auch nicht mehr bestritten. Die Strafe dafür wäre aber so hoch gewesen, dass eine Bewährungsstrafe nicht mehr in Frage gekommen wäre. Nach vielem hin und her und unter großen Schmerzen des Staatsanwalts wurde Janette Vehse dann wegen der Unterschlagung verurteilt und die Fälschung fiel unter den Tisch. Dafür floss der materielle Schaden daraus in die Geldstrafe ein. 

 

Letztlich wurde Janette Vehse zu 6 Monaten auf Bewährung und 20.000 Euro Geldstrafe verurteilt.Das Urteil ist rechtskräftig. Sie ist eine vorbestrafte Straftäterin. Dieser Strafprozess ist beendet.

 

Nicht beendet ist das Zivilverfahren. Hier geht es noch einmal um viel Geld. Es wird abzuwarten sein, wie Barabhebungen und Überweisungen auf ihr Privatkonto, für die bisher keinerlei Belege oder Verwendungsnachweise vorliegen, zu begründen sind. Warten wir es ab.

 

Ebenfalls nicht beendet ist der Komplex um einen geschädigten Kunden, der Strafanzeige erstattet hatte. In dem Strafverfahren wurde Janette Vehse freigesprochen. Es war ihr gelungen, zwei der drei Tatvorwürfe zu entkräften. Damit war der dritte, erwiesene, Tatvorwurf als Einzeltat verjährt. Im Anschluss hat der Geschädigte Strafanzeige wegen Falschaussage gegen eine auffällig plötzlich aufgetauchte Entlastungszeugin erstattet und ist als Nebenkläger in die Berufung gegangen. Auch hier wird der zivilrechtliche Schaden noch geklärt. 

 

Die Vorgänge, die zu dieser Auseinandersetzung geführt haben, liegen nun großenteils mehr als 10 Jahre zurück. Der materielle Schaden, der Harald Wolff und anderen entstanden ist, ist bisher nur zum kleinen Teil ausgeglichen und wird wohl nie ganz bezahlt werden. Der Rufschaden durch die vielen Verleumdungen und falschen Anschuldigungen, die Janette Vehse und ihre willfährigen Helfer bei den Konzertfreunden, "wir für Sie" und der ev. Kirchengemeinde gegen Harald Wolff und Solvida verbreitet haben, wird nie mehr getilgt werden können. 

 

Fest steht jedenfalls, dass Janette Vehse als Straftäterin rechtskräftig verurteilt ist und Harald Wolff in keiner der vielen Sachen, derer er beschuldigt wurde, auch nur angeklagt wurde. Der geneigte Leser kann sich selbst ein Bild machen, wo die Wahrheit liegt.

 

 

 

 

 

 

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