Der lange Rechtsweg in Spanien

Der Fall Janette Vehse scheint klar zu sein. Die Interpretationen können allerdings unterschiedlicher nicht sein. Die eine Seite - Geschädigter, Untersuchungsgericht, Staatsanwaltschaft - geht von schwerer Unterschlagung aus. Die andere Seite, "Wir für Sie" vermutet nach wie vor die Unschuld und empfiehlt die Angeklagte als Vertrauensperson. Dabei scheinen die vom Untersuchungsgericht ermittelten Fakten keine Rolle zu spielen. Wenn diese Angeklagte tatsächlich eine Straftäterin ist, was nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft nach umfassenden Ermittlungen der Fall ist, dann wäre es mindestens fahrlässig, diese Person gerade älteren Menschen als vertrauenswürdig zu empfehlen. Der lange Zeitraum zwischen Tat und Urteil macht den Opferschutz sehr schwer. Hier ist eine kurze Chronologie des Falls Thimm:

 

2009

Kurt Thimm stirbt im April und der Erbe, Andreas Thimm beauftragt die Fa. Soluciones Europeas Finanzzentrum S.L. (Soluciones), Alleingeschäftsführerin Janette Vehse, mit der Erbabwicklung. Zur Durchführung der Abwicklung erteilt er Janette Vehse Generalvollmacht.

2009/2010

Janette Vehse führt die Erbabwicklung durch. Eröffnet im April 2010 ein Bankkonto für Andreas Thimm, schließt es im Oktober wieder und schließt das Bankkonto von Kurt Thimm. Das Haus von Kurt Thimm wird verkauft.

2011

Im Januar 2011 erstellt Janette Vehse eine Art "Endabrechnung" und erhält eine Steuererstattung für Andreas Thimm auf ihr Privatkonto.

2012

Im April bittet Janette Vehse, sie als Geschäftsführerin von Soluciones zu entbinden. Sie fühlt sich überfordert. Nach dem Ausscheiden als Geschäftsführerin bleibt sie freie Mitarbeiterin. Harald Wolff wird Geschäftsführer.

2013

Im Februar fordert der neue Geschäftsführer von Soluciones Janette Vehse nach massiven Unstimmigkeiten auf, nicht mehr im Namen von Soluciones aufzutreten und sich ein eigenes Büro zu suchen. Für den Auszug wird der 1. April 2013 festgesetzt. Am 7. März räumt Vehse das Büro nach Büroschluss vollständig aus, nimmt sämtliche Firmen- Kunden- und Buchhaltungsunterlagen sowie Möbel und Computer mit und ändert die Kontopasswörter. Im September gibt sie einen Karton mit Buchungsbelegen und einen Teil der Buchhaltung zurück. Die "Rückgabe" des Computers im Oktober erweist sich als Versuch, ein ähnliches Modell ohne Daten unterzuschieben. Das wird bemerkt.

2013/2014

In den Buchungsbelegen finden sich Unregelmäßigkeiten unter anderem zum Fall Thimm. Umfassende Recherchen werden nötig. Bankauskünfte, Konten- und Belegabgleiche ziehen sich bis Ende 2014 hin. Janette Vehse reagiert nicht auf anwaltliche Anfragen.

2015

Im April lässt Anreas Thimm durch seine Anwälte Strafanzeige gegen Janette Vehse stellen. Das Untersuchungsgericht prüft die Unterlagen und vernimmt Zeugen.

2016

Im März findet die letzte Zeugenvernehmung durch das Untersuchungsgericht statt. Unmittelbar darauf übergibt das Untersuchungsgericht den Fall an die Staatsanwaltschaft.

2017

Im April erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage wegen fortgesetzter Unterschlagung vor dem Strafgericht in Benidorm und fordert eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 4 Monaten.

Im Juli befindet die Staatsanwaltschaft, es handele sich um eine "schwere" Straftat, deren Strafrahmen bis zu 6 Jahren Freiheitsstrafe reicht. Dafür ist die höhre Instanz in Alicante zuständig.

2018

Als Termin für die mündliche Verhandlung setzt das Gericht im Juli 2017 den 9. Mai 2018 fest.

 

Rund 8 Jahre nach den Straftaten gegen Andreas Thimm, 3 Jahre nach der Strafanzeige kann mit einem Urteil gerechnet werden. Die lange Zeit zwischen den Taten und der Anzeige liegt daran, dass die Taten wirksam vertuscht waren und die Recherche, auch wegen der Handlungen durch die Generalvollmacht, sehr erschwert war.

 

Ein weiteres Strafverfahren gegen Janette Vehse wurde schon im Dezember 2014 zur Anzeige gebracht. Unter anderem geht es um den gestohlenen Computer. Aktuell befindet sich die, nunmehr im März 2017 auf gerichtliche Anordnung übergebene, Festplatte bei der forensischen Untersuchung. Nach Abschluss dieser Untersuchung wird auch dieses Verfahren fortgesetzt werden.

 

Zwischenzeitlich setzt Janette Vehse ihre "Arbeit" ungehindert fort. "Wir für Sie" empfiehlt ihr "Rettungssystem" älteren Menschen. Mit der Glaubwürdigkeit einer kirchlichen Institution. Bei dem Rettungssystem der Janette Vehse geht es um Vorsorgevollmachten (Generalvollmachten), die uneingeschränkte Verfügungsgewalt über das gesamte Vermögen ermöglichen. Es geht um ein Notrufsystem, für das Haus- bzw. Wohnungsschlüssel ausgehändigt werden.

 

Weder Janette Vehse, noch Ilse Kübler und Jürgen Bayer, die für "Wir für Sie" auftreten, haben sich jemals nachvollziehbar zu den angeklagten Straftaten geäußert. Die Reaktionen beschränken sich ausschließlich auf immer ausfallender werdende Angriffe auf Harald Wolff, der die Straftaten aufgedeckt hat. Gibt Ihnen das zu denken?

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Horst Hütter (Sonntag, 04 Februar 2018 12:36)

    Es ist eine unbeschreiblich große Sauerei wie mit Janette Vehse in der Presse umgegangen wird. In Spanien ist es möglich (für uns Deutsche unverständlich), wie man mit Angriffen gegen eine andere Person in den Medien als Werbe"Anzeige" andere integere Menschen diffamieren darf.

  • #2

    Harald Wolff (Sonntag, 04 Februar 2018 18:05)

    Hallo Herr Hutter,
    vielen Dank, dass Sie sich die Mühe gegeben haben, den Artikel zu lesen und zu kommentieren. Man kann also davon ausgehen, dass Sie wissen, wozu Sie sich äußern. Das lässt tief blicken.
    Sie finden es in Ordnung, wenn eine Vertrauensperson das Vertrauen, das ein Mandant in sie setzt, missbraucht, um sich persönlich zu bereichern. Über die Taten müssen wir nicht diskutieren. Die sind vom Untersuchungsgericht zweifelsfrei festgestellt und nicht bestritten. Andererseits bekümmert es Sie, wenn andere Menschen über diese Machenschaften informiert und davor gewarnt werden. Sie finden es schlecht, dass das "in Spanien möglich ist", stören sich aber nicht daran, dass die lange Dauer von Strafverfahren in Spanien den Straftätern eine lange, ungestörte Karriere ermöglicht. Im Gegenteil, Sie nutzen den "Schutz" der langen Verfahrensdauer, um einen solchen Menschen als "integer" zu verteidigen. In Kenntnis der Vorgänge bezeichnet man das wohl als Komplizenschaft.

  • #3

    uta Stützel (Montag, 06 August 2018 13:00)

    Sehr geehrter Herr Wolff,
    Würden Sie sich bitte in Sachen Frau Vehse mit mir in Verbindung setzen.
    MfG
    Uta Stützel